14 Atmosphäre

Atmosphäre, im mechan. Sinn die Einheit, auf welche man die Angabe des Drucks bezieht, dem eine Flüssigkeit, ein Dampf oder Gas ausgesetzt ist. Da der Atmosphärendruck an einem und dem selben Ort beständigen Schwankungen unterliegt und der mittlere Atmosphärendruck nicht für genü gend viele Punkte der Erdoberfläche bekannt ist, so hat man sich , um eine Basis für die Vergleichung zu gewinnen, an den mittlem Atmosphärendruck ge halten , welcher unter dem 4S. Breitengrad am Mee resspiegel herrscht, reduziert auf und bezogen auf den Wert der Schmerkraft unter diesem Breitengrad. Dieser als Einheit angenommene Druck beträgt 337,8 Pariser Linien, wird aber gegenwärtig in der Wissen schaft ziemlich allgemein 76« mm (336,»os"') an genommen. Der hier und da noch gebräuchliche Wert des mittlem Atmosphärendrucks (— 28 Pariser Zoll) verhält sich zu letzterm wie 1 : l),>»7«. In Eng land setzt man den mittlem Atmosphärendruck nicht selten 30 engl. Zoll (337,7« Pariser Linien) und in Deutschland vordem 29 oder genauer 28,»» preuß. Zoll, in Osterreich 28,» Wiener Zoll. Der effektive Druck, welchen die A. unter der Annahme solcher mittlerer Werte im Meereshorizont auf eine Fläche ausübt, wird in Frankreich zu 1033,» lz auf 1 «cm, in England IS (genau 14,?i) engl. Pfd. auf den engl. QZoll, in Deutschland ^ 15 (genau 1S,os) Pfd. auf den preuß. QZoll, in Osterreich l2,?s (genau 12,7») Wiener Pfund auf den Wiener QZoll gerechnet. Neuerdings ist man übereingekom men, den Ätmosphärendruck 1 Ke? auf 1 qcm zu setzen, und unterscheidet, um Mißverständnissen vorzubeugen, »alte» und »neue« A. Nach letzterer werden jetzt allgemein die Instrumente zur Druck messung eingeteilt.

Atmosphäre, elektrische, der Raum um einen elek trischen Körper, in welchem er elektrische Erschein««» gen hervorbringt.

Atmosphärilien, die Bestandteile der atmosphä rischen Luft, besonders Sauerstoff, Ozon, Kohlen säure, Ammoniak, Salpetersäure, salpetrige Saure, Wasser, namentlich in Hinsicht auf die durch sie her vorgerufenen chemischen Prozesse, wie Verbrennung, Verwitterung, Atmung der Organismen, Ernährung der Pflanzen zc.

Atmosphärische Feuchtigkeit, s. Atmosphäre, Hygrometer und Wetter.

Atmosphärische Linien, s. Spektralanalyse.

Atmosphärische Niederschläge, tropfbare oder feste, in der Atmosphäre gebildete und aus ihr auf die Erde gelangende Niederschläge: Regen, Schnee, Grau peln und Hagel.

Atmosphärologie (griech.), Lehre von der Atmo sphäre und den Vorgängen darin (Teil der Meteoro logie).

Atmung (R e s p i r a t i o n) , der Gaswechsel der Organismen. Derselbe verläuft an allen Orten, wo tierische oder pflanzliche Flüssigkeiten, die ausnahms los wechselnde Mengen von Gasen enthalten, mit der atmosphärischen Luft oder untereinander in eine für den Gasaustausch genügend nahe Berührung treten. Sowohl bei den Pflanzen als bei den Tieren han delt es sich bei der A. um die Einfuhr von Sauer stoff und die Abgabe von Kohlensäure. Nicht zu verwechseln mit dieser eigentlichen A., welche zu allen Zeiten und in allen Teilen stattfindet, ist ein Ernäh- rungsvorgong der Pflanzen, bei dem die Aufnahme von Kohlensaure und die Abgabe überschüssigen Sauerstoffs beobachtet wird. Dieser vielfach fälschlich aK Pflanzenatmung bezeichnete Vorgang findet nur

Atmung.

in den grünen Pflanzenteilen und nur unter der Ein» Wirkung des Sonnenlichts statt. Die Respirations organe der Tiere sind sehr verschiedenartig gestaltet. Bei den niedersten Tieren wird die A. durch die gesamte Körperoberfläche bewirkt, ein Borgang, den man als Hautatmung bezeichnet, und welcher neben der sonstigen A. auch bei hohem Tieren eine Rolle spielt. Bei den In selten stoßen wir auf cylin- drische, baumartig sich verästelnde Röhren, Tracheen (s, d.), welche von der Körperoberfläche aus in die Körperteile eindringen. Bei den F i s ch e n und vielen andern Wassertieren finden wir gefäßreiche Blätt chen, welche in ihrer Gesamtheit eine außerordentlich große Oberfläche bieten und als Kiemen (s. d.) be zeichnet werden. Sie werden direkt vom Wasser um spült, um den vom Wasser absorbierten Sauerstoff aufzunehmen und dafür Kohlensäure abzugeben. Bei der A. der höhem Tiere unterscheidet man: ») eine Einfuhr von Sauerstoff aus der atmosphärischen Luft in das Blut und eine Abgabe von Kohlensäure an die äußere Luft (äußere A.); b) eine Abgabe von Sauerstoff aus dem Blut an die Gewebe und eine Einfuhr von Kohlensäure aus den Geweben in das Blut (innere A.).

I. Außere A. Diese erfolgt überall da, wo Blut- kapillaren und atmosphärische Luft in eine für den Gasaustausch genügend nahe Berührung kommen. Am umfangreichsten findet eine derartige Berührung in den Lungen (Lungenatmung), weniger erheb lich auf der äußern Haut (Hautatmung) und auf der Oberflüche des Verdauungsapparats (Darm- atmung) statt.

Die Lungen der Säugetiere und des M e n s ch e n, welche uns besonders interessieren, sind nach ganz gleichem Typus gebildet. Sie stellen drüsenartige Organe vor, die stets paarig sind und die Brusthohle ausfüllen, ohne mit der Wand der letztem verwachsen zu sein. Nur an der sogen. Lungenmurzel hängen die Lungen mit den Luftröhrenästen und den großen Blutgefäßen zusammen, sie sind an diesen gewisser maßen aufgehängt. Durch das Zwerchfell (f. d.) sind sie von der Bauchhöhle und ihren Organen abgeschie den. Die Luftröhrenäste verteilen sich, indem sie in die Lunge eindringen, baumartig in immer feiner werdende Äste. Das Ende eines jeden kleinsten Luft- röhrenästchens trägt bläschenartige Ausstülpungen, die sogen. Lungenbläschen (s Lunge). Diesel ben bestehen aus einer elastischen Grundsubstanz, in welcher sich ein dichtes Netzmerk von blutführenden Haargefäßen verteilt. In diesen Lungenbläschen ge schieht der eigentliche AtmungSprozeß, d. h. der Aus tausch zwischen den Gasen des Bluts, welche? durch die Haargefäße der Lungenbläschen strömt, und der in den letztern enthaltenen atmosphärischen Luft. Die Erneuerung der Luft in den Lungenbläschen wird durch die Ein- und Ausatmung (Inspiration und Exspiration) bewirkt. Der Mechanismus dieser an einen Blasebalg erinnernden Bewegungen, bei wel chen sich übrigens die Lunge ganz passiv verhält, ist folgender. Bei der Einatmung wird der Brustraum erweitert; die Lunge, welche an der Brustwand an liegt, muß den Bewegungen der letztem folgen und sich ausdehnen, wodurch ein Strom äußerer Luft durch die Luftröhre in die Lungenbläschen eindringt. Die Erweiterungdes Brustraums bei der Einatmung bemht auf der Thätigleit der Jnspirationsmuskeln, namentlich des Zwerchfells und der Zwischenrippen muskeln. Erstens drückt, indem sich beim Ein atmen abflacht, auf die Baucheingeweide und drängt daher den Bauch hervor; letztere heben die Rippen