Atmosphäre (Bewegung, Durchsichtigkeit, Himmelsfärbung).
II
peraturabnahme; doch ist das dadurch erklärlich, daß die Temperatur in der ober« Luftschicht an einem Registrierthermometer abgelesen wurde, welches durch einen Drachen steigen gelassen mar, und daß der Temperaturunterschied zwischen der obernund untern Luftschicht, den sonstigen Beobachtungen entsprechend, etwa 6^° C. hätte sein müssen, eine Größe, welche sich bei der angegebenen Beobachtungsmethode sehr gut der Wahrnehmung entziehen konnte. Weil im Sommer das Thermometer mit der Erhebung über die Ebene weit schneller sinkt als im Winter, so sind in der gemäßigten Zone die Winter der Berge weni ger kalt, als es im Verhältnis zur Höhe der Fall sein sollte. Auf dem Hospiz des St, Bernhard be trägt z. B. bei einer Erhebung von 2491 m die Dif ferenz zwischen den mittlernTemperaturendesmärm- sten und kältesten Monats nur 15,5," C. , mährend sie in Genf bei emer Erhebung von 407 m auf LS,«" C. steigt. Auch in der Nacht ist in der gemäßigten Zone die Wärmeabnahme mit der Höhe kleiner als am Tage. Aus allen diesen Thatsachen kann man mit Sicherheit schließen, daß die Temperatur desto lang samer abnimmt, je größer die Höhe ist, daß alle Temperaturschmankungen in großen Höhen geringer als unten am Boden sind, und daß der Unterschied der Jahreszeiten in einer gemissen Höbe (Saussure schätzt sie auf 13 — 1S,lXX1 m) verschwinden wird.
l»««s>mg.I Die Luft mirv nicht überall gleich er wärmt, und diese Ungleichheit der Erwärmung ruftBe- megung hervor. 1 ebmLuft von14"C.miegt mehr als 1 edm Luft von 24°; also wird die stärker erwärmte Luft in der kältern aufsteigen, mie Öl im Wasser auf steigt. Wenn aber an einem Ort ein aussteigender Luftftrom stattfindet, so muh für die sich erhebende wärmere Luft andreLuft zuströmen. DieserVorgang findet überall auf der Erde statt und ist die Ursache der Winde (s. d.). Aber auch menn die Luft voll ständig ruhig erscheint, menn mir nicht das leiseste Lüftchen wahrzunehmen im stände sind, bewegt sich die Luft doch noch mit einer Geschwindigkeit von 63 bis 78 cm in der Sekunde oder Wegstunde in ein» Zeitstunde. Unsre Nerven beginnen im gesun den Zustand den Luftstrom erst bei einer Geschwin digkeit von I,« u> an zu empfinden, und 1,»« — 2,5, m Geschwindigkeit in der Sekunde hat das Lüftchen, das mir alle lieben, ohne welches die freie Luft uns kaum angenehm dünkt.
lDnrchfichtigkett.z Bekanntlich ist die Lust nicht voll kommen durchsichtig, ferne Gegenstände erscheinen mit einem leichten weißlichblauen Schleier umhüllt. Aber der Grad der Durchsichtigkeit der Lust wechselt nach verschiedenen Zuständen der A. Saussure hat ein In strument angegeben, um den Grad der Durchsichtig kit der A. zu messen, das Diaphanometer(s. d.). In großem Höhen über dem Meeresspiegel ist die Luft durchsichtiger als in der Tiefe, was Schlag- intmeit auf den Alpen durch das Diaphcmometer beilSligt hat. Humboldt macht auf die größere Durchsichtigkeit der Luft in den Steppen aufmerk sam; er sah in der Nähe von Quito mit unbewaffne tem Auge auf eine Entfernung von 4 deutschen Meilen einen weißen, sich vor den schwarzen basalti schen Wanden hin bewegenden Punkt, den er durch das Fernrohr als seinen in einen weißen Mantel ge hüllten Freund Bonpland erkannte. Im allgemeinen sind die sonnigen und wolkenfreien Tage keineswegs diejenigen, an welchen die A, besonders durchsichtig ist; im Gegenteil hat man bei anhaltend guter Wit terung selten eine klare Fernsicht, und man kann es fast stets als ein Zeichen bald eintretenden Regens
betrachten, menn ferne Berge sehr klar erscheinen. Die Luft erreicht, wenigstens in unsern Klimaten, ihre größte Durchsichtigkeit, wenn nach lange an haltendem Rege» oder auch nach einem Gewitter eine rasche Aufheiterung des Himmels erfolgt, die aber dann selten von Dauer ist. Eine Folge der unvoll kommenen Durchsichtigkeit der A. ist die allgemeine Tageshelle. Jedes Partikelchen, welches einen Teil des auf dasselbe fallenden Lichts aufhält, gibt Ver anlassung zu einer Reflexion und Diffusion des Lichts, welche die Ursache der allgemeinen Tageshelle find. Wäre die Luft vollkommen durchsichtig, so würde sie nicht das mindeste Licht reflektieren, und es würde zwar dort, wo die Sonnenstrahlen hintreffen, größere Helligkeit herrschen, aber die Schatten würden abso lut schwarz und im Schatten irgend eines Gegen stands würde es vollkommen finster sein. Der Him mel würde keine Farbe besitzen, sondern tief schwarz sein. Je durchsichtiger die Luft ist, desto schärfer ist der Unterschied zwischen Licht und Schatten, mäh rend dieser sich mehr und mebr vermischt, je geringer die Durchsichtigkeit der Luft ist. Am größten ist die allgemeine Tageshelle, menn der Himmel mit dün nen, faserigen Wölkchen bedeckt ist.
lHlmmclsfärbu»g.i Wenn der Himmel nicht durch Wolken bedeckt ist, zeigt er eine bald hellere, bald dunklere blaueFärbung. Dieselbe ist von Clau- sius aus der Annahme erklärt, daß der atmosphä rische Wasserdampf die Form von kleinen, kugel förmigen Nebelbläschen besitzt. Die äußere Hülle dieser Wasserblaschen wirkt so mie ein dünnes Blätt chen, welches sowohl im reflektierten als auch im durchgehenden Licht Farben zeigt. Je dünner die Wasserschicht der Nebelbläschen ist, desto reiner ist das Blau des Himmels. Bei der geringsten Dicke, bei welcher eine dünne Schicht im reflektierten Licht eine Farbe mahrnehmen laßt, zeigt sich das Blau erster Ordnung, welches noch Violett und Rot ent hält. Wenn nun das Blau erster Ordnung , welches von einem ersten Wafserblnschen reflektiert wird, auf ein zweites fällt, so miederholt sich derselbe Vorgang, und bei jeder folgenden Reflexion von einem solchen feinen Wasserbläschen wird der Anteil aller übri gen Farben, welche das Vorherrschen des Blaus ab schwächen können, mehr und mehr verringert, so daß nach immer wiederholter Reflexion des Lichts an dünnen Wafferbläschen, von welchen jedes einzelne nur ein ganz blasses weißliches Blau liefern würde, eine sehr intensive blaue Färbung entstehen kann, und somit dürfte das Blau des Himmels, menn auch kein einfaches, doch nach Müller ein gewissermaßen potenziertes Blau erster Ordnung sein. Tyndall hat bei der Einwirkung von intensivem Licht auf ver schiedene Dämpfe eigentümliche Wolkengebilde er halten, deren Teilchen um vieles zarter sind als die der feinsten sichtbaren Wolken. Diese eigentümlichen Gebilde waren stets blau, und erst menn sie durch Vergrößerung ihrer Teilchen in wirkliche zarte Wol ken übergingen, wurden sie weiß. Nichts spricht gegen die Möglichkeit, daß sich auch der Wasserdampf in den höhern Schichten der A. in einem ähnlichen Zustand der Verdichtung befinden könne, und so würde die Intensität des Himmelsblaus wesentlich von dem Grade der Kondensation des Wasserdampfs abhängen. Ebenso mie die blaue Färbung durch die reflektierten Lichtstrahlen erzeugt mird, wird die rote und violette Färbung durch oas hindurchgehende Licht hervorgebracht(s.A bendröte). Bei zunehmen der Feuchtigkeit mird nicht nur die Dicke der Wasser schicht in den Nebelbläschen zunehmen, sondern es